JURLJIN

Trying to find the place where inside and outside become one. Where all opposites and contradictions dissolve. And between the contradictions is… silence.

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Und sie stolperte durch neblige Frühlingstage, die um jeden kleinen Sonnenstrahl kämpften. Schaute zu, ob der Tag den Kampf wohl gewann, fiel dann in seine Schatten… und diese trugen sie davon.
An den Rand lichter Wälder, die sie verschlangen.
Und lächelnd ließ sie alles geschehen.
Ließ die Tage verstreichen, die Tage vergehen.
Folgte den Wolken am Himmel, flog über die Felder.
Flog mit den Schwänen. Flog mit den Krähen.
Unsichtbar durch neblige Frühlingstage…

Es war eine seltsame Zeit im Jahr. Schnee und Kälte waren gegangen und die Welt verharrte in dieser kargen Trostlosigkeit des Winters, der seinen Zauber verloren hatte. Alles wartete. (Und das erste Grün, das irgendwo zwischen den verdorrten Blättern aufblitzte, versprach, dass dieses Warten nicht vergeblich sein würde…)

…it was a strange time of year. Snow and cold had gone and the world lingered in this barren desolation of winter that had lost its magic. Everything was waiting. (And the first green that flashed somewhere among the old withered leaves promised that this waiting would not be in vain…)

She had forgotten who she was. She had forgotten who she was. And the razor blade on her skin whispered: “This is you. Can you feel it? This is you, this is you. You are sadness. Emptiness.
Oh, you are that funny, senseless pain.
Accept that, my darling.
You are the cry that is silent…
and yet never stops crying the always same.”

Und dann fragte sie den dicken, faulen Kater, der am Ofen lag: “Meinst du nicht, dass wir alle diese Sehnsucht in uns tragen, ganz und gar eins mit dem Wald zu sein? Und dem Meer und der Luft und den Bergen?
Den Bäumen.
Den Steinen.
Oder ist das nichts… als romantisch verklärter Kitsch?”. 
Er gab ihr keine Antwort, jedoch schien er äußerst zufrieden zu sein.

[Du darfst keine Angst vor deinen Gedanken haben. Wenn du Angst hast, beginnen sie zu wackeln und zu zittern. Doch zitternde Gedanken sind unbrauchbar. Sie führen dich nur ins Zweifeln…]

Alles zieht zur Langeweile.
Zu gewohnter, stumpfer Belanglosigkeit.
Du magst, was du kennst
und was du begreifst. 

 Du magst das, was dir verständlich erscheint
– auch wenn du damit offenbarst, überhaupt nichts zu verstehen.
Es ist… schon okay.
Es ist…  langweilig schön.

[Sometimes she felt so damn bored of the dullness of the world and the people. But probably… she was not any different]

Und so schaute sie hinauf zum Mond und wünschte, er würde sagen: „hey, du hast genug gemacht. Jetzt hüpf’ los in den Wald und sei frei.
Es gibt nichts mehr zu tun.
Es gilt nur noch zu sein.“.

Doch der dumme Mond tat nichts als zu leuchten…
…und sie fühlte sich allein.

Und so schaute sie zu dem alten Baum
und sehnte sich nach Rat.
Nach einer Richtung.
Nach irgendwem,
der etwas Schlaues zu ihr sagt. 
Etwas wie: „Jetzt lass’ los. Gib’ dich hin.
Dem Leben, dem Fühlen und dem Sinn.
Hab’ keine Angst, allein zu sein…
…denn alles ist eins. Alles ist eins.
Und du bist mittendrin.“…

[And there is nothing left to do. All that is left is to be…]

Sometimes she had wondered if life wasn’t easier when she didn’t care. When she knew no reason to fight for anything. And was too tired to want anything. Too exhausted to dream or plan. Too indifferent to hold on to something that didn’t stay in her life all by itself. Too bored with herself. She was just there. A stupid coincidence. A stupid joke. She did what she did or didn’t do. She didn’t laugh, she didn’t cry. She did feel, but whether it was pain or joy… despair or happiness… – it made no difference.
She had come to understand that she was nothing more and nothing less than an arbitrary thing whose comings and goings, whose actions and whose happiness were irrelevant.
And sometimes she had wondered if life wasn’t easier in those days. After all, things only became complicated when they took on meaning….

[And you have to breathe. Breathe. Not think. Not plan. Not wanting. Not searching. You just have to breathe. And wait. And see. And feel.
Trust]

Sie fühlte sich allein mit einem Stapel voll Müll, den sie irgendwann wohl produziert hatte.
Trau’ dich zuzulassen, was da ist.
Korrigiere dich nicht.
Reduziere dich nicht.
Sie wollte Müll. Müll, der weh tut.
Keinen Müll, der sich bemüht, schön zu sein.

Sie wollte Schönheit.
Zart duftende Leichtigkeit, die sich aus der Tiefe ergibt.
Aus der Tiefe des Mülls, der sich nicht um Schönheit bemüht.
Korrigiere dich nicht.
Reduziere dich nicht.
Sei alles. Sei Nichts.

Es gelang ihr nicht, sich zu greifen.
Oder hatte sie Angst, am Ende nur Müll zu finden?
Müll, der einfach nur Müll ist.
Tonnen voll von überflüssiger Belanglosigkeit…

(Komm’, lass’ uns Schlammbomben auf unsere Vergangenheit werfen. Das könnte lustig sein.)

Vielleicht war sie auf der ständigen Suche nach einer Realität, die ihr wirklich real schien… und wusste doch, dass diese Suche vergebens war. Denn nichts, was ihr in dieser seltsamen Welt der Menschen begegnete, schien ihr wirklich, nichts schien ihr wahr. Jeder scheinbaren Tatsache ließ sich eine andere, ebenso wahr erscheinende Tatsache entgegen setzen. Alles, was man zu denken und zu sein glaubte, war letztlich ersetzbar durch irgendein anderes Sein und Denken, das ebenso gut funktionierte. Und dann suchte man sich aus, was man glauben wollte. Was man sein und denken wollte. Oder verzweifelte daran, die Entscheidung nicht treffen zu können. Oder lachte über den Unsinn der Welt…

[Manchmal versuchte sie zu denken… und manchmal war sie so müde davon]
Manchmal versuchte sie, zu verstehen. Und manchmal bemerkte sie, dass genau das, was man nicht verstand, das Einzige war, was Sinn ergab…
Und diesem Sinn wollte sie eine Form geben. Diesen Sinn wollte sie festhalten. Diesen Sinn wollte sie genauer betrachten. Tiefer erfahren. Länger spüren. Und wusste nicht, wie das geht. Dann versuchte sie manchmal zu denken. Und manchmal war sie so müde davon…

Diesen Punkt zu finden, an dem sie vollkommen nackt war. War es das, worum es ging? Den Punkt, an dem sie sich vollständig sehen konnte… sich erkennen konnte, weil es ihr gelungen war, alles abzulegen, was den Blick versperrte. Loslassen. Alles.
War es möglich, das auszuhalten? Wie weit konnte man gehen? Wie weit konnte sie gehen? Auf welchem Weg? Und wozu? Wozu? Glaubte sie wirklich, dabei etwas zu finden, zu gewinnen? Etwas, das einen Wert haben könnte? Für wen? Und was immer sie zu finden versuchte: ließ es sich teilen oder war man allein? Ging es darum, etwas zu erschaffen? Ging es darum, sich zu finden? Oder ging es nur darum, sich selbst zu zerstören? Schloss das Eine das Andere aus? War das gut? War das schlecht? Und war das alles nicht einfach nur sinnlos anstrengend? War sie müde?
Vielleicht hatte sie keine Lust mehr zu suchen… sie hatte Lust anzukommen.
Sie hatte Lust anzukommen. Boden zu spüren. Und Wärme. Und Leichtigkeit.
Loszulassen. Frei zu sein.
Vollkommen nackt. Ohne Angst.
Loszulassen.

Wie traf man die Entscheidung, ob man Blumen pflücken wollte oder Fensterscheiben einschlagen? Still durch den Wald laufen oder schreiend durch die Stadt? Ob man sich freuen sollte über etwas Schönes, das entsteht oder etwas Hässliches, das zerfällt? Wollte man erschaffen oder zerstören? Meditieren oder sich betrinken? Lieben oder Ficken? Sie wusste es nicht.
Und zwischen den Gegensätzen lag Stille. Zwischen all den Widersprüchen war es leise. War Zeit… war Platz… zum Atmen…

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Sie versuchte, die Teile, aus denen sie zu bestehen glaubte, zu einem Ganzen zusammenzusetzen… und scheiterte. Sie versuchte, die Teile, aus denen sie zu bestehen glaubte, in klar geordnete Schubläden zu sortieren… und verlor sich in Chaos. Verlor sich in Chaos und bemerkte, dass jenes Chaos wohl ein Teil von ihr war. Ein weiterer Teil. Ein zentraler Teil. Oder ihr ganzes Ich. Es gab keine Ordnung, es gab kein Ganzes…

Sie war zum Teich gegangen, wo die Schwäne wohnten, betrat zögernd das Eis… schaute sich um… und sie fror. Doch ihr Mantel war schwer und sie warf ihn beiseite. Spürte das Beißen der Kälte, und ebenso Freiheit… und zwischen all den Tränen in ihrem Gesicht begann sich ein Lächeln zu formen.
Und so stand sie für Stunden, vielleicht gar für Tage zwischen Eis und Schnee, so leicht und so froh. Doch einsam – und sie wünschte sich etwas Gesellschaft… schickte die Schwäne fort, ihren Liebsten zu holen. Der eilte zu ihr, reichte ihr einen Mantel… und ein Teil von ihr sehnte die Wärme herbei… der andere Teil wollte in der Kälte verweilen, ließ den Mantel als Gefängnis erscheinen… und sie schließlich verzweifeln an ihrem Wollen.

Sie suchte dieses Gefühl, barfuß durch den Schnee zu laufen. Weit und weiß. Und still. Durch den Schnee zu laufen. Schnee zu sein. Vom Wind immer weiter und weiter getrieben. Weit und still… und frei. Und die Schwäne auf dem gefrorenen Teich waren so weiß wie ihr Kleid. Und weiter, weiter… lief sie… weiter… bis zum Wald. Traf den Hirsch und stach ihn nieder. Und legte sich zu ihm, so weit… und so weiß… und so rot… und so schön… und so still… und so frei…

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