Und es geht nicht um Sex. Und es geht immer um Sex.
Um Macht und Ohnmacht. Sich finden, sich verlieren. Um Lust, um Schmerz. Um Hingabe, um Spüren.
Um Liebe, Verachtung. Um dieses Spiel.
Distanz und Nähe. Um Freiheit und Zwang. Schwäche und Stärke. Vertrauen. Verlangen.
Um Gegensätze, die sich ergänzen. Um Gegensätze, die keine sind. Um Werte, deren Wert verschwimmt. Um Nacktsein und Wahrheit und Mut und Angst. Und es geht nicht um Sex. Vielleicht geht es das nie. Und geht immer um Sex. Sich selbst überwinden, das Ganze berühren…

„Naja, soweit zumindest der Plan“ hab‘ ich gesagt. Geschrieben. Eigentlich aber auch Blödsinn, wenn ich die Bilder dann aus irgendeinem Langeweile-Anfall heraus nur kommentarlos hierhin werfe. Nicht unbedingt grundlos. Aber zu faul, die Begründung zu formulieren. Nein, nicht faul. Ungeduldig. Zu ungeduldig. Mein dummes Hirn schafft es nicht, da zu bleiben. Hat schon wieder tausend neue Sachen angefangen. Und ich komme nicht hinterher. Und die Tage haben zu wenig Stunden. Oder ein Tag hat zu wenig Tage. Ein Tag müsste aus mehreren Tagen bestehen, an denen man parallel verschiedene Dinge tun kann…

Wenn man festlegt, worum es in den Bildern geht, die man machen will: schränkt man sich dann ein? Oder gibt man sich eine Richtung, aus der sich erst Möglichkeiten ergeben? Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht…
Ich bin durch imaginäre Häuser gelaufen und habe versucht, ihre Stimmung und ihre Geschichten festzuhalten. Ich bin durch imaginäre Häuser gelaufen und wusste, dass es meine Stimmungen und Gefühle sind. Dass die Häuser nichts anderes sind als ich selbst. Und mit jeder Tür, die ich öffnete, fand ich ein Stück von mir. Das ließ sich nicht vorweg nehmen oder planen… ich wusste ja selbst nicht, was ich finden würde. Wieviel ich sehen würde. Wie weit ich kommen würde. Also habe ich nicht darüber nachgedacht.

Habe nicht darüber nachgedacht, weil die Häuser ganz selbstverständlich dazu gehörten. Zu mir. Weil nie ein Neues dazu kam. Weil das Ganze in sich geschlossen schien. Abgeschlossen schien. Vielleicht auch, weil es mir zu anstrengend gewesen wäre. „Hätte ich Worte für das, was ich sagen will, würde ich schreiben“ hab‘ ich gedacht… aber weil ich keine Worte hatte, machte ich Bilder. Weil sie mir mehr zu sagen schienen als Worte. Oder weil ich zu feige war für Worte. Oder Beides.

Worte legen fest, Worte schränken ein. Worte definieren aber auch. Worte setzen Grenzen, die man immerwieder überschreiten kann. Worte eröffnen Wege. Glaube ich. Ich weiß es nicht. Ich habe nie darüber nachgedacht.
Worte sind Vermutungen, nie Tatsachen. Annäherungen. Übertreibungen vielleicht auch… verbunden mit der Angst oder Befürchtung, dass sie zu Erwartungen werden. Zu übertriebenen Erwartungen. Auf Worte zu verzichten, eröffnet Freiheit…

Und doch sitze ich da und suche Worte. Suche Worte, mit denen ich verstehe, worum es gerade geht in diesem Haus. Macht und Ohnmacht, Hilflosigkeit. Einsamkeit. Anpassung. Oder auch nicht. Worte sind oberflächlich, ergeben bestenfalls im Kontext Sinn. Also macht man Bilder, die man nicht versteht… obwohl Verstehen so viel einfacher wäre als Spüren… so viel klarer… und berechenbarer…

Ach so… hmm… nö, und es geht nicht um Sex. Aber es geht immer um Sex. In irgendeiner Form. In irgendeinem Sinne.

Es war, als würde man gegen eine Wand laufen. Wieder und wieder und immerwieder. Und man war nicht sicher, ob man weiter machen sollte… oder der Wand nicht lieber den Rücken kehren.
Es war, als würde man eine Richtung suchen. Eine Mitte. Einen Kern. Doch statt ihn zu finden, sprang man stets hin und her. Und hin und her. Immer weiter hin und her. Pendelte zwischen der Suche nach Tiefe und der Suche nach Weite. Nach Ernst und nach Leichtigkeit. Nach Struktur und nach Chaos. Und alles hatte seinen Reiz und seine Vorzüge. Alles vermochte auf seine eigene Art zufrieden zu machen und sich richtig anzufühlen.
Es war, als suchte man eine Antwort. Oder ein Ziel. Obgleich man wusste, dass es beides nicht gab.

Ich glaube, dass Sex die Verbindung ist. Die Verbindung zwischen all den Widersprüchen, die man in sich trägt. Dass es um Sex geht. Dass es immer um Sex geht. In einem vermutlich recht weit gefassten Verständnis von „Sex“. Ich glaube, dass Sex Gott ist. In einem vermutlich recht weit gefassten Verständnis von „Gott“.

Warum ich das jetzt hierhin schreibe? Weil ich’s weiterdenken will… irgendwann mal. Oder irgendwas damit anfangen will. Weil irgendwo in diesem Gedanken die Wand steckt, gegen die ich renne… und die Antwort, die ich suche…

…und nachdem man mal wieder tausend Sachen gleichzeitig angefangen hatte, saß man da und wusste nicht weiter. Was wollte man eigentlich? War nicht alles, was man tat, nur vollkommen sinnloser Blödsinn? Verzichtbarer Quatsch. Bedeutungslos und überflüssig. Und es wollte nicht gelingen, sich selbst vom Gegenteil zu überzeugen. Es wollte nicht gelingen, sich selbst genug zu sein. Einfach so. Nur zu sein. Zu sein, weil man war und wie man war… und nichts sonst. Sollte man nicht lieber versuchen, irgendeine tatsächlich sinnvolle Beschäftigung zu finden? Irgendetwas zu tun, das dieses Gefühl vermittelte… dieses Gefühl… dieses… ja, welches Gefühl eigentlich? Dieses Gefühl, zu atmen. Und etwas tun zu wollen. Zu wissen, was man wollte. Und weshalb man es wollte. Dieses Gefühl, bei sich zu sein. Dieses Gefühl von Sicherheit. Klarheit. Dieses runde lächelnde Ding ohne Zweifel…

Hab‘ mich irgendwie verlegt. Hab‘ mich irgendwo verloren. Kann mich nicht erinnern, wo ich mich zum letzten mal sah. Auf dem Küchentisch vielleicht? Auf dem Bett? Oder draußen im Wald? Vielleicht bin ich unter’s Sofa gerutscht. Oder vor der Haustür auf den Boden gefallen. Doch ich hab‘ ja überall schon nachgeschaut. Hab‘ doch überall schon gesucht.
Ich hab‘ mich verlegt. Wahrscheinlich irgendwo verloren. Hab‘ keine Ahnung, wo ich bin. Hab‘ überall schon nachgeschaut. Vielleicht macht Weitersuchen keinen Sinn.

Hab’ mich im Wald verlaufen, weil er mir Tiefe versprach. Im tiefen Wald verlaufen, um bei mir zu sein. Hab’ mich verlaufen, um zu laufen. Zu atmen. Allein.
Hab’ mich im Wald verlaufen, um anzukommen. Doch kaum blieb ich stehen, wurde mir kalt.

Und so saß ich wieder einmal vor diesem vollgekritzelten Blatt Papier und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Es schien keinen Platz für etwas Neues zu geben und jeder aufkommende Gedanke wurde von mindestens zehn veralteten und mich langweilenden Gedanken übertönt. Oder verschwischt. Verdreht. Verblödet.
Frisch gedachte Gedanken schienen ja meist nicht allzu dumm. Erst wenn man sie mehrmals ge- und durchdacht hatte, offenbarten sie ihre Belanglosigkeit. Oder Schwachsinnigkeit. Oder Beides. Einige von ihnen blieben dennoch sehr hartnäckig und weigerten sich zu gehen. Fanden kein Ende, während man ihren Anfang längst vergessen hatte. Sie sammelten sich auf diesem Blatt Papier, gaben ihm Farben, Formen und Worte… und während man sie zu entziffern und verstehen versuchte, bewegte man sich im Kreis. Spürte die Enge. Zwischen Vorwärts und Rückwärts schien es keinen Unterschied zu geben. Nur Wiederholung.
Ich saß also da und starrte auf dieses Blatt Papier ohne Anfang, das mit Wiederholungen gefüllt war und mich langweilte. Wo fing man an, wenn es keinen Anfang gab?

(Bitte ein leeres Stück Papier. Nur weiß, nichts sonst. Keine Richtung, kein Rahmen. Ich brauche ein leeres Stück Papier. Einen weiten Raum… ohne Wand und Farben. Nur Luft und Fenster, weit geöffnete Türen. Nichts sonst als ein leeres Stück Papier, dessen stilles Weiß geduldig wartet, mit Neuem gefüllt zu werden.)

I don’t want to come back. But where should I go?
I want to loose myself in the wind.
Masturbate in the moonlight.
Feel your hands on my skin.
And there seems to be depth in everything.
I don’t want to go back.
But where should I go?
I… don’t know.

Manchmal will so ein Tag nicht richtig anfangen. Dann sitzt man da, lässt irgendwelche Bilder durch den Kopf fliegen… träumt vor sich hin. Träumt vom Frühling… streicht die Wände… läuft über Blumenwiesen, durch Wälder oder alte Häuser… Fabrikhallen… Bahnhöfe… schaut durch zerbrochene Fensterscheiben… wischt den Staub beiseite… bewundert das Licht… lächelt und hört den Raben zu, deren Krächzen sich irgendwann mit dem Gedanken vermischt, dass es jetzt doch Zeit wäre, etwas anzufangen. Aufzuwachen. Man schaut auf die Uhr, spürt dieses leicht unruhige Zappeln in sich… bleibt sitzen.
Manchmal will so ein Tag nicht richtig anfangen. Womit hatte der vorherige Tag eigentlich aufgehört? Man versucht, die Gedanken zu ordnen und festzuhalten, doch sieht ihnen letztlich nur beim Zerbröseln zu. Der rote Teller mit den weißen Punkten steht auf dem wackligen Tisch unter’m Fenster. Darum verteilt alte Kuchenbrösel. Die zerbröselten Gedanken hängen inzwischen an der Wand. Neben der Lampe. Ein paar sind mit Klebebandstreifen befestigt, andere mit Nägeln. Einer der Gedankenbrösel ist festgeschraubt. Ich könnte das Fenster öffnen, dann würden die Klebebandstreifengedankenbrösel vielleicht herunterfallen und anfangen, durch’s Zimmer zu tanzen. Allerdings bin ich zu faul. So bleibt das Fenster geschlossen und ich bleibe sitzen. Manchmal will so ein Tag einfach nicht richtig anfangen…

Und war das Flüstern der Welt, die Sinn ergab, weil sie ohne Sinn existierte. Ohne Ziel und Erwartung. Ohne Wertung und Plan. Ohne Zeit… oder Anspruch auf Wirklichkeit. War Traum, dem egal war, nur Traum zu sein – denn er war dennoch echt und unmittelbar. War greifbar. War Bild. War durchaus real. War Ich. Nur Ich. Nur das, was ich war. Mehr Baum oder Wind oder Tier oder Stein als ich jemals Mensch gewesen war. Und doch mehr Mensch als irgendwo sonst. Eins mit dem Flüstern der Welt…

Man sollte das, was man tut, nicht ernst nehmen. Aber wozu tut man es dann? Man sollte gar nichts ernst nehmen.
“Du bist immer so ernst” haben die Leute mir früher gesagt und kritisiert, dass ich nie lache. “Du nimmst nichts ernst” sagten sie einige Jahre später, allerdings lachte ich da noch weniger. Komische Sache mit dem Ernst. Komische Leute. Komische Welt. Komisches Ich.

Da oben auf den Felsen sammelten sich die Krähen. Es war stürmisch und neblig und wunderbar still. Es gab keine Menschen hier… und so gab es auch keine Sprache. Keine Sprache… und keine Zeit, denn für die Krähen und die Felsen und die Bäume, die mich umgaben, war die Zeit völlig ohne Belang. Meine Augen sahen nur das, was sie sahen und ich… ich… kann mich leider nicht konzentrieren. Die Nachbarin mäht ihren Rasen. Der Kopf erzählt und weiß nichts zu sagen. Ich will Novembernebelbilder… will Stille und Lärm. Die alte Fabrik. Maschinen und Bäume. Nur bloß keine Menschen. Doch ohne die Menschen ist man allein. Ich will Sommer und Winter. Reden und Schweigen. Schwarzweißes Bunt. Und Kekse dazu. Ich will alles auf einmal… will zappeln und schweben. Ich will sinnvollen Blödsinn. (Keinen blöden Sinn). Jetzt schneidet sie Rosen und redet vom Wetter. Und ich… will bei den Krähen sein.

Ich möchte im Schatten eines großen alten Baumes sitzen, einen langen grauen Bart tragen und kluge Augen haben. Ich will dort sitzen und schreiben. Und denken. Und verstehen. Ich möchte den Menschen schlaue Dinge erzählen. Oder vielleicht auch nur Bilder malen, weil es im Grunde nichts zu erzählen gibt. Nichts Schlaues, Kluges oder Wichtiges. Ich möchte im Schatten eines großen alten Baumes sitzen und schweigen. Und atmen. Und lächeln. Ganz still. Ich möchte verstehen, dass es nichts zu verstehen gibt. Nichts zu sagen oder zu tun. Und ich möchte kluge Augen haben. Und lachen, laut lachen über all den Unsinn, der uns umgibt.

Da war diese grüne Sommerwiese. Und neben mir ein Blatt Papier. Und wie es sich füllte, fühlte ich mich, als würde ich schreien in endloses Nichts.
Kein Mensch, der mich störte. Kein Grund zu erklären. Es ging nur darum, zu schreien und frei zu sein. Und von irgendwoher kam dein lächelndes Flüstern und ich hörte dich Nicken und war nicht allein. Und da war diese grüne Sommerwiese… und die endlose Freiheit, bei dir zu sein.

When I was a little child I wanted to be a princess. I wanted long beautiful hair, charming dresses, a beautiful castle. But I wanted all this not because I wanted luxury, beauty and wealth. I wanted long hair to cut it off. I wanted nice clothes in order to jump through dirt and mud … or to shred and tear them. I wanted a castle to burn it down, then run into the woods and live there in a little old cottage. I wanted to be a princess to tell the people: “I’m not interested in your crap. Fuck you!”. When I was a little child I didn’t understand that. But I think it was the dream of freedom …

(strangely confused Sunday-thoughts . I want to burn down the cities and run into the woods. Ich will die Augen schließen und die Bäume atmen. Ich will meine Finger in die Erde graben. 
I want storm… to fly away. 
I want fog… to hide.
Give me something… to destroy.)

Die Stille war derzeit so merkwürdig still. Wusste keine Geschichten. Nur gestottertes Schweigen… und fragendes Suchen nach Wirklichkeit. Von Staub überzogene Gedankenfragmente – des Denkens nicht wert und ohne Sinn. Wische den Staub beiseite… und bleibe sitzen. Umgeben von Stille. So merkwürdig still.

“Ich wollte das Gefühl, dass es etwas gibt, was ich kann.” hatte ich irgendwo hin geschrieben. Doch sobald ich etwas konnte, wurde es zur Selbstverständlichkeit. Zum Nichts. Bedeutungslos. Ich wollte mehr. Ich war nicht fertig. Ich war niemals fertig. Nur Anfänge, Versuche… und doch kein Ziel, dem sie folgten. Das Ziel war das Gefühl, fertig zu sein. Womit? Und wenn ich jemals fertig wäre: was dann?

Und ich mag… dort liegen. Mit dir. Und dem Wind zuhören. Und ich will… die verlassene Villa am Meer. Dort sitzen. Mit dir. Geschichten erzählen. Und Schokoladenkuchen auf dem Balkon… oder Tomaten… oder einfach nur Brot. Und mag den Zaun blau streichen… oder gelb… oder rot. Oder Grashalme zählen. Oder Steine sortieren. Was soll der Blödsinn? Was mache ich hier? Dumme Bilder. Wozu? Warum? Wofür? Ich mag… da liegen. Mit dir. Und den Sommer spüren…